Die Zeiten, als es für guten Journalismus kaum mehr als das nötige Maß an Grips, einen Stift und einen Notizblock brauchte, sind längst vorbei – auch wenn diese Grundlagen immer noch hilfreich sind. Gerade dort, wo ein Notebook hinderlich oder die Strom- bzw. Internet-Versorgung nicht sicher oder durchgehend stabil gegeben sind. Spätestens mit dem Ansinnen, audiovisuelle Inhalte zu produzieren, kommt man mit den angeführten Grundlagen aber nicht mehr über den – immens wichtigen! – Status einer Skizze, eines Konzepts oder auch eines Drehbuchs hinaus.

Der technologische Fortschritt ermöglicht es uns JournalistInnen jedoch immer besser, sendefähige Inhalte im Alleingang – als Video-Journalist mit EPU-Status (EPU = „Ein-Personen-Unternehmen“) – zu produzieren. Deren Qualität steht und fällt mit dem jeweiligen beruflichen Reifegrad. Elektronische Stabilisierung in der Kamera und/oder dem Objektiv sowie professionelle Audio-Aufnahmegeräte um wenig Geld unterstützen das Ganze. Die Basis jedoch bilden stets eine gute Story, kompetente Interview-PartnerInnen und natürlich die journalistische Erfahrung des Produzierenden.

Lumix und die Vorteile des MFT-Standards

Zur Umsetzung meiner Foto- und Video-Projekte nutze ich die Lumix-Kameras des Herstellers Panasonic. Der den (spiegellosen) Lumix-Systemkameras zugrunde liegende Micro Four Thirds-Standard (MFT) wurde im Wesentlichen von Panasonic gemeinsam mit Olympus entwickelt. Der Vorteil von MFT liegt einerseits in der Möglichkeit, aufgrund des kompakten Bildsensors verhältnismäßig kleine und leichte Kameras zu bauen; zudem gibt es wegen des offenen Standards eine große Zahl an passenden Objektiven auch von Drittherstellern.

Ich habe mich im Frühjahr 2016 für das LumixModell G70 entschieden (international als G7 bekannt), die ich im Bundle mit dem Zoom-Objektiv 14-42 mm/F 3,5-5,6 erstanden habe. An dieser Stelle sei angemerkt, dass das MFT-System den Crop-Faktor 2 aufweist. Das bedeutet, dass die MFT-Brennweite jeweils der doppelten Brennweite im „Kleinbild-Äquivalent“ einer Vollformat-Kamera entspricht. Deren Sensor-Größe folgt nämlich mit den Abmessungen 24×36 mm in etwa der Bildgröße analoger 35 mm-Filme.

Die von mir zusätzlich für Fotos und Videos verwendeten, sehr lichtstarken Objektive mit den Festbrennweiten 25 mm/F 1,7 sowie 42,5 mm/F 1,7 entsprechen damit den von vielen FotografInnen als ideal für Portraits bezeichneten Vollformat-Brennweiten von 50 mm bzw. 85 mm. Für eine kurze Einschätzung dieser beiden Objektive auch für die Filmerei empfehle ich ein Video von YouTuber Matt Ballard. Mehr zu seinem und weiteren empfehlenswerten YouTube-Kanälen gibt’s übrigens hier.

Die kleine, kompakte Kamera für den Vlogger

Im November 2016 holte ich mir als Zweitkamera die damals brandneue LumixKompaktkamera LX15 (international als LX10 im Handel). Trotz ihrer geringen Maße produziert sie wunderbares 4K-Videomaterial, das qualitativ nicht ganz, aber doch überraschend nahe an das der G70 herankommt, und entsprechend gut mit diesem zu kombinieren ist.

Trotz ihres mit nur einem Zoll relativ kleinen Sensors produziert sie wunderschöne Bilder, von denen auch einige in meinem Portfolio zu finden sind. Außerdem taugt die LX15, deren internes Mikrofon einen mehr als passablen Ton aufzeichnet – zumindest, solange der Wind nicht zu stark bläst – ganz gut als Vlogging-Kamera. Das habe ich im Frühjahr 2017 ausgiebig getestet. Das sensationell gute, nach oben aufklappbare Display geht dabei (leider zwangsläufig) auf Kosten eines elektronischen Suchers.

Für die Audioaufnahme vertraue ich – in Ergänzung zur primär verwendeten G 70 – auf das beliebte Rode Video-Mic Pro sowie Aufnahme-Geräte des Herstellers Zoom im Zusammenspiel mit kompakten (Ansteck-) Mikrofonen.

Den Video- und Audio-Schnitt nehme ich am MacBook Pro vor (15 Zoll, 2015) und nutze dafür die Apple-Software Final Cut Pro X. Meine Raw-Fotodateien werden in Adobes Lightroom entwickelt und bei Bedarf mit Photoshop bearbeitet.

Da ich mich auch gerne mit den Ursprüngen der Fotografie-Technik beschäftige, spiele ich aktuell zudem mit einer alten, aus zweiter Hand erstandenen analogen Canon-Kamera herum. Die EOS 500, über deren Fotoqualitäten ich allerdings noch nichts sagen kann, habe ich zusammen mit einem Zoomobjektiv (28-80 mm/F3,5-5,6) um etwa 30 Euro bekommen und werde die Ergebnisse beizeiten auch auf dieser Website präsentieren.

Mittlerweile eher selten, aber doch, fotografiere ich mit dem Smartphone, einem Nokia 6 (Modell 2017). Mit der Lightroom-App, die das Fotografieren im RAW-Format erlaubt, lassen sich sogar ganz passable Ergebnisse erzielen. Der Spaßfaktor bleibt dabei dennoch hinter jenem einer richtigen Kamera zurück.

Ein bisschen Zukunftsmusik

Und wenn ich spontan aufrüsten könnte – was natürlich in erster Linie immer eine Frage des Investitionsbudgets ist -, welche Wechselobjektiv-Kamera(s) würde ich dann mein Eigen nennen wollen? Nun, da gibt es einige Kandidaten, wobei ich aller Voraussicht nach wohl dem Micro Four Thirds-Kosmos treu bleiben würde.

Zum einen hatte ich vor einiger Zeit Gelegenheit, die Olympus Pen-F anzutesten, die mich von der Handhabung, den Foto-Ergebnissen und auch ihrem Design her sehr angesprochen hat. In eine ähnliche Richtung dürfte die neue Lumix GX9 gehen, die noch einmal kompakter daher kommt als ihre Vorgänger-Modelle der GX-Reihe. Laut einigen YouTube-Reviews soll sie auch sensationell gute „In-Camera“-Schwarzweiß-Bilder produzieren.

Beide angeführten Kameras eignen sich aber nicht wirklich für die Filmerei, da ihnen zumindest ein externer Mikrofon-Anschluss fehlt. Das macht gute Filmaufnahmen (mit separat aufgenommener Tonspur) natürlich nicht unmöglich, schafft aber doch zusätzlichen Aufwand – gerade, wenn man als EPU arbeitet.

Insofern wäre die Lumix GH5s das ideale Werkzeug, da diese Kamera explizit auf den Videobereich auch unter schwierigsten Lichtverhältnissen ausgerichtet ist. Dabei ist sie jedoch mit ihrem speziellen Sensor nicht unbedingt für die professionelle Fotografie gedacht. Für diesen Zweck wiederum hat Panasonic Ende 2017 das Schwestermodell Lumix G9 vorgestellt – aktuell sozusagen das High-End der MFT-Fotografie. Betreffend Handhabung, „Feeling“ und technische Spielereien wäre sie wohl die ideale Kamera. Als Kompromiss für Leute, die Fotografie und Videografie in etwa gleichem Ausmaß betreiben, böte sich noch die Lumix GH5 an, die auch vom Hersteller als sozusagen „das Beste aus zwei Welten“ zwischen der G9 und der GH5s eingestuft wird.