Krankenstand bringt Fernsehzeit: Nachdem die DVD lange im TV-Kastl rumlag, hab ich’s nun geschafft, die Verfilmung von José Saramagos Stadt der Blinden (R: Fernando Meirelles) anzuschauen. Das vor Jahren gelesene Buch des Schriftstellers im Hinterkopf, ging ich die Sache kritisch an, kann aber uneingeschränkt sagen: Der Film ist gelungen! Selten sah ich eine so respektvoll an die Vorlage angelehnte Adaption. Zur Handlung: Eine neue Art von Blindheit – Betroffene sehen ein blendendes Weiß – wütet in einer namenlosen Stadt. Die Seuche ist ansteckend, Erkrankte werden unter menschenunwürdigen Umständen eingesperrt. Nur die Frau eines infizierten Augenarztes ist immun – sie täuscht ihre Blindheit vor und sichert ihm das Überleben. Trotz dem gemeinsamen Leid obsiegt nämlich in der Gefangenschaft nicht die Solidarität: Saramago thematisiert die Frage der Moral, wenn einen keiner beobachten kann – und man sich nicht im Spiegel sehen muss. In dieser Situation tun sich menschliche Abgründe auf.

(8 Punkte – für das Buch wie für den Film)