Das wird jetzt einige schockieren, aber ich hatte in den zehn Jahren, die ich bereits in Wien lebe, nur einmal Heimweh. Und das war voriges Jahr im Sommer. Unser aller Lieblings-Sportler, der gute Toni Innauer, hatte einen Artikel über s’Ländle geschrieben, der mir zufällig vor die Brillengläser kam. Ich las von seiner Jugend im Bregenzer Wald, frischte meine Erinnerung an die in Kindertagen vernommene Legende vom Innauerschen Gasthof auf – inzwischen von Antons Schwester Berghild geführt – und erfreute mich an Schilderungen der Vorarlberger Küche. Am meisten beeindruckten mich aber die wunderbaren Fotografien der Wälder Landschaft, die die Geschichte illustrierten. Da spürte ich einen Stich im Herzen und sehnte mich ein, zwei Tage dahin zurück.

Natürlich wäre dieses dahin, auch wenn Madleners reichlich Bezüge zum Bregenzer Wald haben, eher der Blick auf die Drei Schwestern, „vo Göfis uf Fraschtaz ahe“. Wie oft hatten wir im Urlaub von Balkonien mit einem kühlen Gläschen Bier zur Brauerei hinüber geprostet?

Nichts läge mir ferner, als meine Herkunft zu verleugnen, aber es ist tatsächlich so, dass ich kaum Sehnsucht nach den Bergen habe. Bevor manche von euch nun wutentbrannt weiter klicken: Die Erklärung ist einfach, denn hier steht ja alles voller hoher Häuser! Naja, es gibt schon auch einen Haufen Grün, es gibt sogar Seen mitten in der Stadt – aber unterbewusst konnte ich wohl die ganze Zeit über s’Älpile & Co. mit Bauwerken wie den Twin-Towers oder dem Stephansdom kompensieren. Damit du, liebe Leserin und lieber Leser, nun doch noch auf deine Kosten kommst, will ich dir eine Peinlichkeit unterbreiten, die dem Landbub in frühen Große-weite-Welt-Jahren widerfuhr.

Die Episode spielt im Burgenland, wo es weit und breit an natürlicher wie künstlicher Erhebung mangelt (wenngleich der eine oder andere Bühel dort liebevoll „Hausberg“ genannt wird). Wie auch immer: zu Besuch bei Freunden. Ich blieb über Nacht und wachte irgendwann, von sommerlicher Hitze gequält, auf. Der Blick aus dem Fenster offenbarte ein riesiges, gelb-oranges Licht! Eine Scheibe, die ganz nah über der Erde schwebte: Es war entsetzlich. Wirr vor Angst – ist es ein Ufo, ist es Zauberei? – weckte ich meine Zimmergenossin, die bald in schallendes Gelächter ausbrach. Natürlich versuchte ich mich irgendwie heraus zu winden, aber es nützte nichts: Für eine gute Weile blieb ich der Mann, „der kan Mound kennt“. Zumindest keinen, der nicht zumindest weit oben, über einem Zweitausender-Gipfel, hängt.