Zweite Klasse
Ein Bekannter rang sich nach Jahren des Schmerzes dazu durch, eine dringend nötige Hüftoperation vornehmen zu lassen. Er hatte Angst, aber es war unumgänglich – ein Gelenk musste ausgetauscht werden. Als ihm eine mehrere Monate lange Wartefrist verordnet wurde, saß die Enttäuschung tief; aber es war halt doch auch ein bisschen die eigene Schuld, bis zu diesem Stadium der physischen Belastung gewartet zu haben. Dann ein Lichtblick: Ein Arzt meinte, bereits innerhalb weniger Tage einen Operationstermin ermöglichen zu können. Allerdings müssten dafür einige tausend Euro extra locker gemacht werden, Rechnung gebe es dafür keine. Der Deal kam nicht zustande: Mein Bekannter war finanziell nur durchschnittlich gesegnet. So hieß es abwarten bis zum Zeitpunkt X – an dem schließlich im Großen und Ganzen alles gut ging.
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Smells Like Latino Spirit
Ein Urteil nach nur einem Tag, darf man das? Ich sage: ja. Immerhin habe ich eine 20-jährige Geschichte zusammen mit den Red Hot Chili Peppers (RHCP). Ich erinnere mich gut an die Faszination, die der erste mir zu Ohren gekommene Chili-Peppers-Song Under the Bridge 1991/92 auf mich ausgeübt hat. Der Video-Clip gehörte zu den Dauerbrennern der ORF-Jugendsendung X-Large, und RHCP-Sänger Anthony Kiedis klärte abwechselnd mit anderen Weltstars in den damals aktuellen DoRo-Clips über die Gefahren von Aids und den Gebrauch von Kondomen auf („groß, geil und bunt“). Ich war zwölf, und gemeinsam mit Ugly Kid Joe, R.E.M., Metallica und Nirvana gehörten die Red Hot Chili Peppers zu den ersten Bands, deren Poster meine Schlafzimmerwand zierten.
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Reblogged: Tag der Tomateiser… oder so…
Ein alter Text. Weil’s zum heutigen Datum passt, das irgendwer zum „Tag der Tomate“ zu erheben müssen glaubte:
(…) So habe ich in illustrer Journalistenrunde mehrfach erfahren, dass Ausdrücke wie Blumenkohl und Tomate tabu, und Wörter wie Teller und Monat vom grammatikalischen Geschlecht her rein sächlich seien; das Joghurt, zudem, sei natürlich falsch – weil in Wahrheit ein Kerl, wie man mir weismachen wollte. Korrekt hingegen, weil nicht „bundesdeutsch“, wären für das genannte Gemüse die Bezeichnungen Karfiol und Paradeiser, so die allgemeine Übereinkunft – der sich sogar ein vorarlbergstämmiger Kolumnist angeschlossen hat. Und mich damit im Regen stehen ließ. (…)
Mehr dazu gibt’s hier.
Lektüre: FP-Mandatar im braunen Facebook-Sumpf
(…) Diese Gruppe ist geheim! Kommt es zu einer Realen Gruppenstärke von 100 Mann wird diese Truppe das erste Mal in der Öffentlichkeit stehen! Zuvor haben wir eine Nahkampfausbildung gedacht! Jeder der militärische Erfahrung über den Präsenzdienst hinaus hat, oder Personenschutzausbildung hat, dies auch belegen kann, wird anfangs als Ausbildner herangezogen, später als Führungsperson eingesetzt! Zunächst mal habe ich den Namen ‘ deutsche Garde’ gewählt (…)
Dass dieses Zitat (inklusive Interpunktion) aus einer im Prinzip völlig öffentlichen Plattform wie Facebook stammt, hätte ich mir bis vor einer Stunde kaum vorstellen können. Man hört (und liest selbst) natürlich sehr viel Quatsch und einiges sehr Bedenkliches in diesem und anderen Social-Media-Kanälen; aber dass sich derart unbefangen über die Bildung von privaten Kampftrupps ausgetauscht wird, ist dann doch einigermaßen ernüchternd. Einerseits beeindruckt die Dummheit des Geplauders, andererseits wird allein durch die beteiligten Personen und deren Verwurzelung bis hinauf in den österreichischen Nationalrat klar: Hier läuft seit langer Zeit etwas sehr, sehr falsch.
Ich empfehle darum dringend die Lektüre des Artikels über „Die paramilitärischen Facebookfreunde von Werner Königshofer“ im Blog des Basisdemokratischen Web Kollektivs (bawekoll), bei dessen Macher/inne/n ich mich für ihre Aufklärungsarbeit mit einem Link in meiner Blogroll bedanke.
Unter uns: Bruno Grönings Erben (PDF)
Beim Aufräumen der Festplatte, beim Ausmisten des alten Lebens gefunden: „Weltfrieden durch den Heilstrom“. Diese Reportage habe ich im September/Oktober 2010 verfasst. Der Text war für die Österreich-Seiten einer deutschen Wochenzeitung gedacht, ist jedoch leider nie erschienen. Was soll’s: Ein einziger Rückschlag in achteinhalb Jahren Journalismus – ein kleines persönliches Korrektiv. Ich habe jedenfalls viel über den Job und die Branche gelernt, während diese vier Seiten entstanden sind.
Im Mittelpunkt des Artikels steht der deutsche Wunderheiler Bruno Gröning (1906 – 1959) und dessen Nachwirkungen bis ins heutige Wien. Regelmäßig treffen sich Männer und (vor allem) Frauen jeden Alters, um ihres Bruno zu gedenken und durch gemeinsame „Einstellungen“ Heil und Segen für sich und die Welt zu erlangen:
Die älteste Heilsuchende ist fast 80, sie trennt ein halbes Jahrhundert von der Studentin mit Palästinenser-Tuch hinter ihr. Sibylle spricht die wenigen Neulinge an: „Dass wir zu Bruno Grönings Foto aufschauen, wundert Sie vielleicht. Aber wir beten ihn nicht an“, deutet sie auf den kleinen Altar zu ihrer Linken, „sondern legen unsere innersten Wünsche offen“.
Grönings Anhänger nennen sich „Freunde“, Experten sprechen von einer Sekte – allerdings ohne das gängige Schreckensbild vor Augen, das medial gerne von Scientologen oder Moonies gezeichnet wird:
Man könne (…) mit der Definition spielen: Heilung bedeute für einen Patienten vielleicht schon, mit der Krankheit leben zu lernen. Der Freundeskreis entspreche demnach einer Selbsthilfegruppe (…).
Mir persönlich bleibt die Erinnerung an einen nicht unspannenden Sonntag im Bellaria-Kino, ein paar pseudo-investigative Abende und die Bekanntschaft einiger netter Leute; die Gröningers hören passable (klassische) Musik, die Abläufe der (offenen) Gruppentreffen erinnern stark an Veranstaltungen der Katholischen Jugend. Würde ich mein Kind hin schicken? Selbstverständlich nicht.
>> Zum Download der vierseitigen Geschichte als PDF (47 Kb)

